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Durch alle Zeiten - Traum oder Realität?

Verfasst: Sa 4. Jul 2020, 21:17
von Tabea
Einige Tage war es her, seit Tabea erwachte und immer mehr Fragen türmten sich in ihrem Hinterkopf auf. Gerade war sie im Dschungel unterwegs als eine Taube auf ihrer Schulter landete. Vorsichtig nahm Tabea sie in die Handfläche und entfernte die Nachricht am Bein des Tieres.
Etwas mürrisch grummelte sie beim Lesen vor sich hin, wer sie denn nun stören musste. Natürlich dachte sie bei sich, Fraya ! Sie bat um ein Treffen. Obwohl es Tabea widerstrebte die Ruhe und Sicherheit des Dschungels zu verlassen, schrieb sie sehr krakelig eine Antwort und schickte die Taube mit dieser los. Dann lenkte sie Talefas in Richtung der Güldenen Stadt zurück.
Überraschender Weise war sie nur kurz alleine mit Fraya bevor Robert auftauchte und sich verhielt wie ein liebestoller Hund. Innerlich brodelte es in Tabea, im Hinterkopf hatte sie noch immer das Gefühl, dass Robert ein Verräter und Heuchler ob seiner Gefühle für Fraya war.
Wegen ihm war ihr Herz zu Schaden gekommen.

Ihren Unmut über sein Beisein machte Tabea auch mehrmals Luft, woraufhin Fraya immer betrübter und stiller wurde. Interessant jedoch war das Gespräch schon, da es wohl nicht nur Tabea so erging, dass sich alles irgendwie seltsam anfühlte und viele Dinge anders waren als geglaubt.
In dieser Nacht träumte Tabea sehr wirr Robert mit Eluana im Arm in Freienfels. Eindeutige Gesten von beiden Seiten ausgehend.Fraya, die sich in die Flammen stürzen will und die Tabea gerade noch zurückhalten kann. Immer wieder schreckte sie auf, total verschwitzt und neben sich stehend. Schutzsuchend nach ihrem Engel des Guten tastend.
Endlich graute der Morgen. Müde machte Tabea sich an die Erledigung ihrer Aufgaben.

Unzählige Stunden hatte Tabea nach dem Gespräch mit Fraya Elysia und Robert in den Hallen des Wissens zugebracht. Jedes Buch, welches sie fand, wurde genauestens von ihr studiert. Doch in keinem fand sich ein Hinweis, ob alles nur ein Traum, eine Vision, eine Prüfung oder eine Strafe der Götter war. Selbst die Priesterinnen konnten Tabea nicht weiterhelfen. Skeptisch und besorgt schauten inzwischen auch die Wachen, wenn Tabea des Weges ging, da sie meist gedanklich abwesend wirkte.
Immer wieder ging Tabea die einzelnen Geschehnisse dieser „verlorenen“ Lenze durch und auch die Übereinstimmungen, die sich in dem gemeinschaftlichem Gespräch gefunden hatten.
Nacht um Nacht träumte sie von dem Haus im Dschungel und ihrem Engel des Guten, der immer bei ihr war und Tabea beschützt hatte, egal welche Gefahr lauerte. Die sie verstand ohne Worte und der Tabea blind vertraut hatte.
Ebenso träumte sie um die wenigen Menschen, die ihr einst so wichtig gewesen waren. Von dem Bösen, das in die Lande Einzug gehalten hatte und von Verrätern , die sie bitterlich enttäuscht hatten, ob ihrer Taten.

Sie träumte davon, wie die Wachen in der Güldenen Stadt ihr erzählt hatten, eine Seuche hätte sehr viele Menschen dahin gerafft. Viele seien geflohen in sichere Lande. Sie sah immer wieder die verwaisten und verwilderten Häuser und Gärten ihrer Freunde vor sich.
Wie oft sie des Nachts schweißgebadet erwachte konnte Tabea schon nicht mehr sagen, jedoch wurde es von Tag zu Tag schlimmer. Müde und abgemagert schlurfte sie zu dem Gehege um die Pferde zu versorgen. Körperlich zwar anwesend aber gedanklich ganz in die Träume vertieft.

Immer dunkler wurden die Schatten unter Tabeas Augen, immer blasser ihre Haut, doch keiner der Wachleute oder der Marktschreier der Karawanserei traute sich, Sie darauf anzusprechen. Besorgte Blicke jedoch verfolgten Tabea. Als Tazira des Volkes oblagen ihr einige Aufgaben, die sie zwar erfüllte, jedoch ohne mit ganzem Herzen bei der Sache zu sein.
In sich gekehrt schritt Tabea durch den Sand, bevor sie sich auf Talefas Rücken schwang und in die Weite der Wüste ritt. Ruhelos war sie geworden!

Oft verkroch sie sich im Turm mitten im Dschungel, der ein wunderbares Geheimnis in sich trug, aber auch die wilden Gärten auf einer der unweit gelegenen Inseln war ein bevorzugter Platz um eine kurze Rast einzulegen. Inzwischen brauchte sie nicht einmal mehr die Augen zu schließen um zu träumen. Es reichte aus, wenn sie sich an ihren Lieblingsorten aufhielt und einfach kurz durchatmen wollte. Schon überkamen sie die wildesten Gedanken und Erinnerungen. Immer wieder träumte Tabea ihren „Engel des Guten“ zu sehen. Oftmals schien sie zum Greifen nah zu sein und Tabea folgte ihr auf dem Rücken ihres Straußes.

Wann immer sie in der Güldenen Stadt war, ging sie in den Tempel, um zu beten und um Antworten zu erbitten. Des Nachts, wenn sie wieder einmal nicht in den Schlaf finden konnte oder zum gefühlt hundertsten Male aufgeschreckt war, ging sie in die hängenden Gärten, denn dann hielt sich niemand dort auf und sie konnte ungestört ihren Gedanken und Träumen nachhängen. Obwohl sie niemand sehen konnte, hatte Tabea den Eindruck nicht alleine zu sein. Immer öfter kapselte sich Tabea vom Volke ab, einzig die Stuten im Gehege des Volkes schafften es für kurze Zeit Tabeas volle Aufmerksamkeit zu erlangen, da einige trächtig waren.

Tabea saß, wie so oft in der letzten Zeit auf der Bank im Gehege und schaute wie der Wind mit dem Sand spielte. Als hätte ein Blitz in unweiter Ferne eingeschlagen, sah sie von dort etwas auf sich zukommen. Zuerst dachte sie, es sei nur ein Skorpion oder eine Riesenschlange, doch als das Wesen näher kam, erkannte Tabea grau-rote Flügel und einen langen Schnabel. Ihr Herz schlug höher und schneller, sie rieb sich die Augen. Konnte es sein?
War es ihr Engel?
Wie gebannt starrte Tabea zu der Stelle, an dem das Wesen angehalten hatte. Sie wollte gerade den ihr so gut bekannten Namen rufen, als sie sah, wie das Wesen immer durchscheinender wurde. Traurig konnte sie nichts tun, als zuzusehen, bis das Wesen gänzlich verschwunden war. Immer wieder und an den unterschiedlichsten Orten der Lande sah Tabea in den nächsten Tagen dies seltsame Wesen und zweifelte mehr und mehr an sich und ihrem Verstand. Bildete Sie sich dies alles nur ein?

Zu Tode betrübt suchte Tabea den Tempel auf und sprach mit den Priesterinnen. Sie erzählte ihnen alles, was sie die letzte Zeit erlebt hatte und was sie beschäftigte, auch von den seltsamen und verwirrenden Träumen berichtete Tabea ihnen.
Die Priesterinnen zogen sich zurück und eine scheinbar unendlich lange Zeit kniete Tabea auf den
Steinfliesen, tief in die ihr bekannten Gebete zu den Vier Göttern versunken. Es ward schon beinahe
Nacht als eine der Anwärterinnen zu ihr kam und ihr mitteilte, sie solle heimkehren und am nächsten
Tage ihre Aufgaben erledigen, die Priesterinnen würden nach ihr schicken lassen, wenn sie soweit
wären.
Beunruhigt erhob sich Tabea und schlurfte mit den nackten Füssen über die Stufen der Treppe hinab,
bis sie den immer noch warmen Sand zwischen den Zehen spürte.
Auch in dieser Nacht träumte Tabea, jedoch nicht wie die Tage und Wochen zuvor von ihrem Leben
beim Wüstenvolk.
Nein, sie war wieder in ihrer alten Heimat, bei ihrer Ohmana und durchlebte Teile ihrer Prüfungen die sie bestehen musste, um nicht verstoßen zu werden. Schweißgebadet und schreiend wurde Tabea wach. Talefas schaute empört von seinem Schlafplatz zu ihr hinüber. Seufzend stand Tabea auf, ging zu ihm und streichelte mit zittrigen Händen seinen Hals, bis er einschlief. Müde sank sie neben ihm in den Sand. Bemüht nicht wieder einzuschlafen. Doch irgendwann übermannte sie erneut der Schlaf und wieder war sie in ihrem Dorf, auf dem Weg zu einer Verbindung. Sie erinnerte sich, wie sie dem Mädchen, kaum älter wie sie selbst, half das durchscheinende Kleid anzuziehen und wie die Zeremonie stattfand. Sie sah den alten Kerl, der Lirena grob Richtung Zelt stieß und wie sie erkannte, was mit den jungen Mädchen geschah, sobald sie verheiratet wurden.

Re: Durch alle Zeiten - Traum oder Realität?

Verfasst: Di 14. Jul 2020, 21:27
von Tabea
Tabea saß, wie so oft in der letzten Zeit auf der Bank im Gehege und schaute zu, wie der Wind mit dem Sand spielte. Als hätte ein Blitz in unweiter Ferne eingeschlagen, sah sie von dort etwas auf sich zukommen. Zuerst dachte sie, es sei nur ein Skorpion oder eine Riesenschlange, doch als das Wesen näher kam, erkannte Tabea grau-rote Flügel und einen langen Schnabel. Ihr Herz schlug höher und schneller, sie rieb sich die Augen. Konnte es sein?
War es ihr Engel?
Wie gebannt starrte Tabea zu der Stelle, an dem das Wesen angehalten hatte. Sie wollte gerade den ihr so gut bekannten Namen rufen, als sie sah, wie das Wesen immer durchscheinender wurde. Traurig konnte sie nichts tun, als zuzusehen, bis das Wesen gänzlich verschwunden war. Immer wieder und an den unterschiedlichsten Orten der Lande sah Tabea in den nächsten Tagen dies seltsame Wesen und zweifelte mehr und mehr an sich und ihrem Verstand. Bildete Sie sich dies alles nur ein?
Zu Tode betrübt suchte Tabea den Tempel auf und sprach mit den Priesterinnen. Sie erzählte ihnen alles, was sie die letzte Zeit erlebt hatte und was sie beschäftigte, auch von den seltsamen und verwirrenden Träumen berichtete Tabea ihnen.
Die Priesterinnen zogen sich zurück und eine scheinbar unendlich lange Zeit kniete Tabea auf den Steinfliesen, tief in die ihr bekannten Gebete zu den Vier Göttern versunken. Es ward schon beinahe Nacht als eine der Anwärterinnen zu ihr kam und ihr mitteilte, sie solle heimkehren und am nächsten Tage ihre Aufgaben erledigen, die Priesterinnen würden nach ihr schicken lassen, wenn sie soweit wären.Beunruhigt erhob sich Tabea und schlurfte mit den nackten Füssen über die Stufen der Treppe hinab, bis sie den immer noch warmen Sand zwischen den Zehen spürte.
Auch in dieser Nacht träumte Tabea, jedoch nicht wie die Tage und Wochen zuvor von ihrem Leben beim Wüstenvolk. Nein, sie war wieder in ihrer alten Heimat, bei ihrer Ohmana und durchlebte Teile ihrer Prüfungen die sie bestehen musste, um nicht verstoßen zu werden.
Schweißgebadet und schreiend wurde Tabea wach. Talefas schaute empört von seinem Schlafplatz zu ihr hinüber. Seufzend stand Tabea auf, ging zu ihm und streichelte mit zittrigen Händen seinen Hals, bis er wieder einschlief. Müde sank sie neben ihm in den Sand. Bemüht nicht wieder einzuschlafen. Doch irgendwann übermannte Sie erneut der Schlaf und wieder war sie in ihrem Dorf, auf dem Weg zu einer Verbindung. Sie erinnerte sich, wie sie dem Mädchen, kaum älter wie sie selbst, half das durchscheinende Kleid anzuziehen und wie die Zeremonie stattfand. Sie sah den alten Kerl, der Lirena grob Richtung Zelt stieß und wie sie erkannte, was mit den jungen Mädchen geschah, sobald sie verheiratet wurden. Es war keine Ehre sondern eine Grausamkeit von den Stammesältesten um den Frauen zu zeigen, wie abhängig und wenig wert sie doch waren.
Sie wurde wach, weil irgendwas störend gegen ihren den Arm stieß. Mühsam öffnete Tabea die Augen und sah direkt in Talefas Gesicht. Nachdem sie ihn gefüttert hatte, machte sich Tabea daran ihre täglichen Aufgaben zu erfüllen. Zuerst wurden die Tiere im Gehege des Volkes versorgt, danach sprach sie mit den Händlern, die ihre Waren in der Karawanserei feilboten und den Händlern unweit der Bank. Nachdem Tabea sich alle Beschwerden und Bitten angehört hatte, machte sie sich auf in Richtung der hängenden Gärten. Eimer um Eimer schleppte sie das Wasser zu den Pflanzen, währen Talefas mit den Schafen und Schweinen im abgegrenzten Bereich spielte. Gerade hatte Tabea die letzten Pflanzen gewässert, als sie spürte, wie etwas in ihr Bein stach und als sie hinabsah, sah sie eine kleine Schlange an diesem hängen. Sie hatte sich festgebissen. Behutsam, trotz der Schmerzen entfernte Tabea die Schlange und warf sie über die Mauer der Gärten in den Wüstensand. Sogleich schlängelte sich die Kleine im Sand davon. Tabea ging in die kleine Höhle, die in den Berg eingearbeitet war und suchte nach dem Mittel, welches dort für solche Fälle lagerte. Hektisch und leicht zittrig griff sie die kleine Phiole und trank sie in einem Zuge leer. Müde schlurfte sie in den abgetrennten Bereich und lehnte sich im Schatten des Baumes an dessen Stamm, um ein wenig auszuruhen. Talefas legte sich neben sie und ließ sich am Kopf kraulen. Tabeas Bein pochte, um die Biss-Stelle war die Haut ganz gerötet und wurde gefühlt immer heißer. Tabea war schwindelig und immer mehr dämmerte sie weg.
Bilder in wilder Reihenfolge zogen an ihr vorbei. Fraya, wie sie rumschrie, Robert der sich die Hand aufschlitzt, die Priesterinnen im Tempel, die sie mitleidig ansehen und nur den Kopf schütteln. Avissa, die stets an ihrer Seite war. Ihr kleines, abgeschiedenes Heim im Dschungel, ein Gelände scheinbar ewig groß, auf dem Tiere aller Arten in Frieden zusammenleben. Menschen, die sich skeptisch und teils argwöhnisch beobachten. Fraya, die sich wieder einmal betrunken hat und Tabea ihr Herz ausschüttet. Norkas Hüter, die versuchen gegen das Böse vorzugehen, Aldus, der tot darniederliegt. Blut, welches in Bächlein durch die Gassen rinnt. Tabea, die auf dem Rücken ihres Engels durch den Dschungel streift und auf der Suche nach Ruhe und Frieden ist.
Irgendwann vernimmt Tabea leise geflüsterte Worte unweit von sich und vorsichtig versucht sie den Kopf zu drehen um zu schauen, wer da spricht. Die Stimme kommt ihr bekannt vor, doch kann sie diese nicht zuorden.